• 9 Monate Reisen mit Baby

    Mit einem Baby zu reisen, kann das wirklich funktionieren? Als Weltenbummler waren wir uns sicher, dass wir es zumindest ausprobieren wollen. Ermutigt haben uns dazu die vielen jungen Eltern, die wir unterwegs getroffen haben. Mittlerweil ist unsere Tochter bereits neun Monate alt und ein richtiges Reisekind geworden. Erfahre hier von unseren ersten Touren zu dritt und wie es uns derzeit im abenteuerlichen Marokko ergeht.

    In Neuseeland, Australien und Kanada haben wir gespürt, wie toll das Leben im Camper ist. Der Schritt zu unserem eigenen fahrbaren Zuhause war somit nicht weit. Dieses testeten wir noch während meiner Schwangerschaft in Deutschland und fühlten erneut, wie sehr wir die Freiheit und Einfachheit auch im eigenen Land genießen. Drei Wochen nach der Ankunft unserer Tochter wagten wir unsere erste kleine Tour ins nahe Schöllkrippen. Es klappte so reibungslos, dass wir beschlossen, drei weitere Wochen später durch Frankreich zu reisen. Angst um Elenas Gesundheit hatten wir keine, zumal wir dem europäischen Gesundheitssystem vertrauen. Stattdessen genossen wir das Unterwegssein, tolle Begegnungen und den Sommer. Die gefühlte Begrenztheit im Camper wirkte sich dabei positiv aus: Für Elena war alles überschaubar und sie wusste uns immer in ihrer Nähe. Trotz der sich wechselnden Umgebung blieb ihr eigentliches Zuhause unverändert. Geschlafen haben wir zu dritt in unserem Alkovenbett, was ein wenig eng, aber gemütlich, war. Insgesamt waren wir sechs Wochen unterwegs und konnten, fernab des heimatlichen Besucherstroms, als Familie zusammenwachsen.

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    Als Elena ein halbes Jahr alt war, wagten wir unsere erste Flugreise nach Rom. Viel besser als gedacht, vertrug sie den Flug, die unbekannte Umgebung und das neue Bett. Geholfen haben dabei der vertraute Geruch ihrer Sachen, eine gleichbleibende Routine des Stillens und Wickelns und unsere vielen kleinen Rituale, sie sie bereits von zu Hause kannte. Dazu gehört etwa unser Gute-Nacht-Lied, das Verabschieden des Tages am offenen Fenster oder das gemeinsame Kuscheln im Bett nach dem Stillen. Ganz entspannt und sehr interessiert konnte sich Elena so auf diese lebhafte Stadt einlassen und schäkerte mit all den freundlichen Menschen. Dank ihr hatten wir einmalige und ganz besondere Begegnungen, wie die mit einer Nonne im Petersdom. Mit sechs Monaten hatte sie genau das richtige Alter für eine Städtereise: Auf der einen Seite erlebte sie bewusst mit, dass wir uns in einem anderen Land, mit einer anderen Sprache und einer anderen Mentalität befanden. Auf der anderen Seite schlief sie tagsüber noch viel, sodass Robs und ich viel von der Stadt entdecken konnten. Dank Tragetuch konnten wir uns dabei uneingeschränkt bewegen. Einen Städtetrip in diesem Alter können wir daher sehr empfehlen!

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    Dank dieser tollen Erfahrungen haben wir daraufhin beschlossen, eine längere Reise mit dem Camper zu wagen. Aufgrund der geografischen Nähe, der andersartigen Kultur und der vielversprechenden Wärme fiel unsere Wahl auf Marokko.

    marokko marrakesch gewuerzeMittlerweile sind wir seit über sechs Wochen hier und genießen dieses spannende Land mit allen Sinnen. Die Leute sind ausgesprochen freundlich, die Landschaft ist abwechslungsreich und die Sonne lacht.

    marokko baguette babyBedenken wegen der medizinischen Versorgung haben wir hier nicht. Bisher ist Elena zum Glück gesund, aber für den Notfall kennen wir die umliegenden Krankenhäuser und haben einige Extramedikamente eingepackt (Fieberzäpfchen und Wunddesinfektionsmittel). Das Essen verträgt sie problemlos. Obst und Gemüse kaufen wir frisch vom Markt und kochen im Camper. Ihr scheint es gut zu schmecken und sie ist sehr probierfreudig.

    Wie das Krabbeln funktioniert, hat sich Elena von einer jüngeren Reisebekanntschaft abgeschaut. Fröhlich erkundet sie jetzt den Camper auf allen vieren und ich bin froh, dass die Schränke allein des Fahrens willen verriegelt sind. Stolperfallen gibt es drinnen keine und wenn die Tür geschlossen ist, auch keine gefährlichen Treppen. Das gute Wetter lockt uns aber häufig nach draußen und es ist schön, einen Großteil des Tages dort zu verbringen. Zurücklehnen kann ich mich dort aber nicht, denn überall gibt es ihre momentane Lieblingsspeise: Steine.

    marokko baby einheimischeAnders als ich es bisher in Deutschland erlebt habe, wird Elena hier mit Aufmerksamkeit überschüttet. Zu Beginn ein wenig befremdlich, streicheln und küssen sie hier wildfremde Marokkaner auf der Straße. Auch die überwinternden Rentner finden Gefallen an Elena und begrüßen sie in den verschiedensten Sprachen. Natürlich genießt sie diese Aufmerksamkeiten und scheut sich auch nicht, auf unbekannte Arme zu wandern und kurzzeitig außer Sichtweite getragen zu werden. Ich bin gespannt, wie sich dieser offene und liebevolle Umgang von Fremden auf sie auswirken wird.

    Auch in Marokko spüren wir deutlich, dass es sich mit einem Kind deutlich langsamer reist. Pausen für Essen und Wickeln, das abendliche frühe ins Bett gehen (zurzeit gegen 18 Uhr) und die kurzen Autofahrten (ihren Schlafenszeiten angepasst) verändern unseren gewohnten Reisealltag. Lässt man sich jedoch darauf ein, indem man wesentlich mehr Zeit einplant oder die Route kürzt, so wird eine Reise mit Kind zu einer ganz einzigartigen Erfahrung.

    Überraschend viele junge Familien haben wir bereits kennengelernt, die meisten in Elternzeit. Es tut gut, sich mit ihnen über das Reisen mit Kind, aber auch über „normale“ Erziehungsthemen wie Abstillen auszutauschen. Einig sind wir uns alle darüber, wie gut eine Auszeit nur mit der Familie tut und wie sehr wir alle davon profitieren. Die Kinder genießen entspannte Eltern und erleben unglaublich viel. Auch Elena ist ausgeglichen, zufrieden und entwickelt eine ausgesprochene Neugierde. Sie krabbelt im Sand, streichelt Kamele und probiert exotische Früchte. Es ist eine ungeheure Freude, sie bei all dem zu beobachten.

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    Doch das Unterwegssein hat auch Nachteile: Am meisten vermissen wir die Hilfe von Verwandten und Freunden. 24 Stunden, 7 Tage die Woche sind wir für unsere Tochter verantwortlich. Den Luxus, sie einmal abgeben zu können, haben wir hier nicht, denn trotz aller Freundlichkeit würden wir Elena niemandem für mehrere Stunden anvertrauen. So haben wir den Besuch meiner Eltern und Schwägerin in spe sehr genossen und konnten unsere Tochter endlich einmal in vertraute Hände abgeben.

    So sehr wir das Reisen hier genießen, stellt sich mir doch immer die Frage: Wie sehr nehmen wir Elena dadurch die Möglichkeit, eine feste Beziehung zu ihren Verwandten aufzubauen? Um den Kontakt zu festigen, planen wir kurz nach Marokko einen Heimaturlaub per Flugzeug. Danach werden wir jedoch weiterhin die Freiheit des Campers nutzen und voraussichtlich durch Spanien, Portugal und Frankreich touren.

    Das Reisen mit einem Baby können wir somit wärmstens empfehlen.

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6 Kommentare:

  1. Susanne sagt:

    Es freut mich für euch, dass alles so super mit eurer Tochter klappt und finde es echt klasse , dass ihr das Reisen weiter so durchzieht.
    Euer Buch war übrigens super zu lesen und eure Blogs sind auch immer interessant. Ich beneide euch total, dass ihr es weiter so durchzieht, ich bin da leider zu gefangen im Hamsterrad und hab nicht so viel Mut.

    • Robs sagt:

      Hallo Susanne,
      ganz herzlichen Dank für Deine lieben Worte! Wir freuen uns sehr, dass wir Dich mit Buch und Blog – zumindest gedanklich – ein wenig mitnehmen können durch unsere schöne Welt.
      Liebe Grüße und alles Gute!

  2. Die Sandra sagt:

    Das Foto mit Elena und den beiden einheimischen Frauen!! Toll Toll Toll! GEnau so ein herzliches MIteinander vermisse ich hier in Deutschland, wo dieser scheinbar oft unüberwindbarer Abstandshalter, sei es bedingt durch Etikette, Werte, Scheuheit, Ängste .. what ever.
    Es ist wundervoll, was ihr eurer kleinen alles durch die Reise ermöglicht! Und ich bekomme gerade großes Reisefieber und muss heute Abend mal mit meinem Mann sprechen.. *gg*

    • Die Sandra sagt:

      Satz noch vollenden: ^^
      „… wo dieser scheinbar oft unüberwindbarer Abstandshalter, sei es bedingt durch Etikette, Werte, Scheuheit, Ängste .. what ever.“, doch viel zu oft – zumindest für meinen Geschmack, zu greifen scheint.

  3. Lissie sagt:

    Hallöchen : )

    wir fahren auch sehr bald schon nach Marokko und ich würde gerne wissen wie das mit dem Stillen dort ist. Ich gehe davon aus das die Frauen dort nicht an öffentlichen Plätzen wie z.B. Cafes stillen – oder gibt es da Möglichkeiten dass ich nicht immer wieder ins Hotel zurück muss zum stillen.

    Ich freue mich sehr auf deine Nachricht : )

    Grüße
    Lissie

    • Anke sagt:

      Hallo liebe Lissie,
      als wir damals in Marokko waren, hatte ich schon fast abgestillt und nur noch morgens angelegt. Daher hatte ich damit keine Probleme. Stillende Mütter haben wir in der Öffentlichkeit tatsächlich nicht gesehen. Vielleicht wäre ein Stillschal eine Möglichkeit? Wir wünschen euch auf jeden Fall ganz viel Spaß in Marokko, es ist ein ganz tolles, spannendes Land!
      Liebe Grüße Anke

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