• Ein Tag am Camper

    marokko camper unter palmenMarokko ist schon lustig. Warum? Weil wir uns noch nicht einmal vom Camper wegbewegen müssen, damit etwas passiert. Aber lest selbst:

    8:12 Uhr: Ich steige aus unserem Camper. Unter mir der harte, trockene Sandboden und um mich herum nur Stille. Nur ein leichtes Rascheln vernehme ich aus Richtung der Palmenblätter über mir. Durch Zufall haben wir diesen Stellplatz vor Tafraoute entdeckt: Eine kleine Oase, gesäumt mit riesigen Palmen und schattenspendenden Büschen. Im Hintergrund rote, auf wundersame Weise weichgeschliffene Felsen, die sich vor der kargen Berglandschaft des Anti-Atlas auftürmen. Ich blicke über das weitläufige Areal und entdecke eine Handvoll weitere Camper.

    8:20 Uhr: Im Schatten einer Palme baue ich gerade unseren Campingtisch auf, als sich ein Fahrrad nähert. „Boulangerie, pattiserie!“ ruft der Fahrer und als er unseren Wagen erblickt: „BROT! BROT!“. Welch‘ ein Glück, denke ich mir und laufe ihm strahlend entgegen. Aus einer Kiste auf dem Gepäckträger schauen ein paar Baguettes hervor und aus seinem Lenkerkörbchen verführen Muffins und Kekse. Neben ein paar Dirhams gebe ich ihm voller Dankbarkeit auch ein paar Kulis mit, die er an die Kinder im Dorf verteilen will.

    9:05 Uhr: Wir verspeisen gerade unsere Baguettes, als ein Marokkaner mit einem Solarpanel auf uns zukommt. „Wollt ihr Solar aufs Dach?“, fragt er uns in gut verständlichem Deutsch. Ich muss grinsen und winke ihn näher, da wir tatsächlich über eine derartige Anschaffung nachgedacht haben. Mohamed erzählt, dass er seit 12 Jahren Solarzellen auf die Dächer von französischen und deutschen Campern baut und dabei unsere Sprache gelernt hat. Auch das Solarpanel stammt ursprünglich aus Deutschland und mithilfe unseres fachkundigen – ebenfalls deutschen – Nachbarn entscheiden wir: Wir lassen uns für etwa 220 Euro eine Solarzelle einbauen und verschieben unseren geplanten Ausflug auf morgen.

    marokko tafraoute landschaft10:11 Uhr: Während auf dem Dach gebohrt wird, fährt ein Roller vor. Ein Marokkaner mit blauem Tuch um den Kopf steigt ab und kommt mir lächelnd entgegen. „Wie schön, dass ihr hier seid“, spricht er in fehlerfreiem Deutsch. Nach ein paar Minuten Smalltalk lädt er uns schließlich ein, mal in seinem Shop mit Kunsthandwerk vorbeizukommen. „Was habt ihr für Fragen?“, will er wissen, bevor er sich auf seinen Roller schwingt. „Ich habe tatsächlich eine“, antworte ich. „Wo können wir hier unseren Wassertank auffüllen?“ Leider haben wir dies auf dem letzten Campingplatz versäumt. Jetzt ist der Tank fast leer und Anke will heute Abend duschen. „Normalerweise kommt hier jeden Tag ein LKW vorbei, der die Camper mit Wasser versorgt. Aber ich werde mal für Euch nachfragen!“, entgegnet er herzlich.

    11:04 Uhr: Die Solaranlage ist fertig. Mohamed hat gute Arbeit geleistet. Bereits nach wenigen Minuten ist unsere Batterie wieder voll aufgeladen. Wie wundervoll es sich anfühlt, ab sofort autark vom Stromnetz stehen zu können. Leider sollen wir den Camper heute nicht mehr bewegen, damit alles richtig trocknen kann. Damit ist unser Ausflug definitiv gestorben. Und auch die Option, auf einen Campingplatz zu fahren, um Wasser aufzutanken. Hoffentlich kommt der LKW.

    11:27 Uhr: Ein Junge kommt auf einem Rennrad vorbei. Er fragt, ob wir Wasserkanister für ihn haben und wir geben ihm zwei leere 5-Liter-Flaschen, in denen wir das Trinkwasser kaufen. Seine Aufmerksamkeit richtet sich anschließend auf Elena und er spielt bestimmt zehn Minuten mit ihr. Zum Abschied bekommt sie einen Kuss auf die Wange und er radelt fröhlich davon.

    12:14 Uhr: Eine Horde Esel läuft an unserem Camper vorbei. Elena ruft sie energisch, doch sie setzen ihren Weg unbeirrt fort. Sie trauert aber nicht lange, es gibt schließlich gerade Mittagessen.

    13:00 Uhr: Jetzt sind es Ziegen und Schafe. Elena wird diesmal mehr beachtet und ist überglücklich über ihren persönlichen, marokkanischen Zoo.

    marokko camper ziegen marokko ziege baby

    14:35 Uhr: Wieder ein Marokkaner auf einem Fahrrad. Er kommt näher und hat eine Schere dabei. Ob wir uns die Haare schneiden lassen wollen? Anke überlegt kurz. Eigentlich ja. Ist ihr aber zu schräg. Daher nein.

    15:09 Uhr: Noch immer ist kein Wasser-LKW eingetroffen. Dafür unterhalten wir uns mit unserem deutschen Campernachbarn. Als ich ihm unsere lädierte Heckschürze zeige – in Marrakesch ist uns jemand hinten drauf gefahren – empfiehlt er uns eine Werkstatt im Ort. Nach einem kurzen Telefonat kommt der Werkstattleiter vorbei und schaut sich die Sache an. Übermorgen könne er sie reparieren, indem er alles von innen mit Fiberglass verstärkt, die Risse ausspachtelt, abschleift und neu lackiert. Für nur 120 Euro. Wir sind dabei!

    16:05 Uhr: Ein weißes Auto nähert sich. Unser Verkäufer mit dem blauen Tuch steigt aus. „Leider kommt der Wasser-LKW nicht mehr, da zu wenige Wohnmobile hier sind. Aber ich habe ein Geschenk für Euch!“ Er öffnet den Kofferraum. Ich trete näher und staune. Im Inneren warten fünf Wasserkanister darauf, in unseren Tank zu wandern. Anke kann ihr Glück kaum fassen. Die Dusche ist gesichert! Ich kann meine Dankbarkeit ebenfalls kaum in Worte fassen. Doch für unseren Helfer scheint dies selbstverständlich.

    marokko junge16:37 Uhr: Der Junge mit dem Rennrad fährt erneut vorbei. Er möchte gern noch einmal mit Elena spielen. Wie süß!

    17:15 Uhr: Der Wachmann kommt angelaufen und ich bezahle ihm gerne umgerechnet einen Euro für seine Dienste – und diesen einzigartigen Platz. Ich bin erstaunt, was hier an einem Tag passiert, selbst wenn wir nur am Camper bleiben.

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5 Kommentare:

  1. Dagmar Richardt sagt:

    Ja, genau so haben wir es in Tafraoute auch erlebt. Da wir schon eine Solarzelle haben, brauchten wir die nicht, aber das junge Paar neben uns konnte eine gebrauchen. Auch der Werkstadtmann war da, immerhin haben wir, wie auch schon vom „Solarmann“ eine Visitenkarte mitgenommen, für den Fall der Fälle……Was mich überrascht ist, das Anke schreibt, es wären zu wenige WoMos dort. Als wir dort waren standen in der ganzen Landschaft rund um Tafraoute gefühlte 10000 Franzosen. Hier sahen wir überigens dann auch zum ersten mal Ziegen in den Arganbäumen.
    Liebe Grüße Dagmar

    • Robs sagt:

      Hallo Dagmar,
      das ist ja witzig. Wir haben den riesigen Platz mit vielleicht 10-15 Wohnmobilen geteilt. Auch auf den Campingplätzen der Umgebung war nicht viel los. Vielleicht ist die Saison Ende März zu Ende gegangen, seitdem fühlt es sich zumindest überall deutlich leerer an. Hoffentich hattet ihr dennoch eine tolle Zeit in und um Tafraoute? Ist ja schon eine wirklich schöne Landschaft!
      Liebe Grüße und weitere tolle Touren Euch,
      Robs

  2. AnonymerKeks sagt:

    Ohhhhh…..

    Das schaut schon ein kleines bisschen schön aus.
    Auch wenn mir hier die Sonne gerade sehr angenehm den Rücken wärmt und weiter strahlend den Frühling ankündigt, kann man bei dem Bild schon ein wenig Fern- bzw. „Camperweh“ bekommen.

    Lasst es euch gut gehen und bis ganz bald schon 🙂

    Lg

    • Robs sagt:

      Danke schön! Wir wünschen Euch anonymen Knabbereien ein wundervolles Wochenende mit viel Sonne und Palmenfeeling! 😉
      Auf ganz bald ihr Lieben!

  3. […] Täler, aber auch direkt am Camper wurde es nicht langweilig, wie Robs in seinem Artikel „Ein Tag am Camper“ […]

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